Düsseldorf - Bauarbeiter besetzen Kran wegen nicht gezahlter Löhne

Bauarbeiter besetzen Kran wegen nicht gezahlter Löhne
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Schon am Abend hatte die Aktion Erfolg.

Am Freitagnachmittag (15.12.2017) haben drei Bauarbeiter einen Kran auf einer Düsseldorfer Baustelle besetzt. Dabei wurden sie von einigen ihrer Kollegen am Boden unterstützt. Schon am Abend kam es zu einer Einigung, woraufhin die Arbeiter den Kran wieder verließen.

Während der Besetzungsaktion sagte einer der Kollegen dem WDR im Interview: “Wir protestieren wegen Geld. Wir haben seit 6 Wochen gearbeitet mit 6 bis 10 Leuten am Tag, dafür haben wir ganz wenig Geld gekriegt. Von insgesamt 14 -15.000 € haben wir bisher nur 4.000 € gekriegt.“

Den Presseinformationen zufolge sind die protestierenden Arbeiter bei dem Aachener Subunternehmen „Aquis“ beschäftigt. Das Hauptunternehmen „Züblin AG“ wies alle Verantwortung von sich: man habe alle Zahlungen an das Subunternehmen fristgerecht getätigt. Dennoch war das Unternehmen offenbar zu Verhandlungen bereit und versprach kurzfristig, die ausstehenden Löhne zu zahlen.

Kein Einzelfall

 

Insgesamt sei der Düsseldorfer Fall typisch für die Ausbeutung von Leiharbeitern vor allem aus Osteuropa, so Holger Vermeer von der IG Bau im WDR: „Es gibt eine Sub-Sub-Subunternehmerkette. Irgendwo am Ende der Baustelle dreht irgendjemand den Hahn zu – und die Kollegen stehen ohne Geld da.“ Er kenne Fälle, in denen den Arbeitern nicht einmal genug Geld für Lebensmittel geblieben sei, sagte Vermeer.

Möglich wird das durch sogenannte Werkverträge, mit denen Generalunternehmen wie Züblin Teilarbeiten an immer neue Subunternehmen weitervergeben. So tritt auf der Düsseldorfer Großbaustelle an der Ecke Kennedydamm/Roßstraße die Kölner Niederlassung des österreichischen Züblin-Mutterkonzerns Strabag als Betreiberin auf – und für die Kölner soll dann letztendlich das Aachener Subunternehmen die rumänischen Arbeiter beschäftigt haben. Der Vorteil für Unternehmen wie Züblin: Klagen über miese Arbeitsbedingungen, nicht gezahlten Lohn und mangelhafte Sicherheit können sie auf die kaum bekannten Subunternehmen abwälzen.

Üblich sind solche Werkverträge auch in der Fleischindustrie, wo Gewerkschafter seit Jahren über die massive Ausbeutung osteuropäischer Arbeiter klagen. Im Baubereich hatte zuletzt der Fall des Einkaufszentrums „Mall of Berlin“ Schlagzeilen gemacht, bei dessen Errichtung ebenfalls Bauarbeiter aus Rumänien um ihren Lohn betrogen wurden. Zuvor hatte sich die für ihre Kreuzfahrtschiffe bekannte Meyer-Werft aus Papenburg in Niedersachsen gegen Vorwürfe wehren müssen, sie sei zumindest indirekt für den Tod von zwei Arbeitern aus Osteuropa mitverantwortlich: Die bei einem Subunternehmen angestellten, über Werkverträge bei Meyer beschäftigten Männer waren in ihrer Unterkunft verbrannt.

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Bildergebnis für taz.de

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