Die „Märzrevolution“ im Ruhrgebiet und die „Kommune von Dortmund“

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Datum und Zeit
28/01/2020
19:00 - 22:00 Uhr

Veranstaltungsort
Buchhandlung Lehmkul

Kategorien


Zeitgenössische künstlerische Darstellung des Ruhrgebiets von Conrad Felixmüller „Ruhrrevier II – 1920“

Eine Veranstaltung mit Andreas Müller von der Geschichtswerkstatt Dortmund

Als sich die Arbeiter an der Ruhr im März 1920 bewaffneten, um die im November 1918 gewonnene Freiheit der Republik gegen die putschenden Teile der Reichswehr zu verteidigen, war dies für interessierte politische Kreise in Polen Anlaß, eine Bedrohung Polens durch Sowjetrußland im Osten und die Rote Ruhrarmee im Westen zu konstruieren. Mit solchen und anderen Mythen will der Referent Andreas Müller von der Geschichtswerkstatt Dortmund mit seinem Vortrag über die Geschehnisse in Dortmund aufräumen. Der Kapp-Putsch, die Putschisten schon damals mit dem Hakenkreuz am Helm unterwegs, brach nach einem dreitägigen reichsweiten Generalstreik zusammen. Aber die Arbeiter knüpften an den uneingelösten Versprechen der Novemberrevolution an und forderten Mitbestimmung und Selbstverwaltung, die sie in den Fabriken und Behörden an der Ruhr umsetzten. Sie sicherten dies ab mit der selbst organisierten „Roten Ruhr-Armee“, die sie zur Verteidigung gegen die putschende Reichswehr aufgestellt hatten. Fast drei Wochen hielt sich das soziale Experiment, bevor es von der Reichswehr im Blut erstickt wurde. Was geschah in dieser Zeit im Ruhrgebiet und konkret in Dortmund? Herrschte der rote Terror, wie es später dargestellt wurde oder gab es tatsächlich Ansätze einer demokratischen Selbstorganisation durch die Arbeiter? Der Referent wird in seiner kenntnisreichen Darstellung des Zeitgeschehens kritische Fragen an die Geschichte und die Entwicklung in den Reihen der revolutionären Arbeiterschaft stellen, die helfen können, die sozialen Kräfte in der Zeit zu erkennen und ihre Wirkung zu verstehen. Die Arbeiter, Angestellten, Beamten und Ministeriumsmitarbeiter im Generalstreik wehrten damals noch die politischen Kräfte ab, die 1933 die Macht in Deutschland übernahmen. Eben diese Tatsache läßt keinen Raum für eine romantische Verklärung der Geschichte. Die Demokratie wird bis heute von den selben Kräften bedroht.

 

 

[ssba]