Die Genfer Frauensektion der Ersten Internationale

Quelle: http://antjeschrupp.de/die-genfer-frauensektion

Die Erste Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA) war eine Vereinigung von Männern. Wenn Peter Kropotkin schreibt, dass bei Gründung der Internationale »die Aufforderung an die Arbeiter erging, sich ohne Unterschied von Glauben, Geschlecht, Nation, Rasse oder Farbe zusammenzuschließen[^1]«, dann tut er der Organisation zuviel Ehre an: In den Statuten der IAA ist ausdrücklich nur die Rede von »allen Menschen, ohne Rücksicht auf Farbe, Glauben oder Nationalität[^2]«. Es ist kein Zufall, dass das Geschlecht fehlt. Bei allen sieben internationalen Kongressen und Konferenzen gab es ausschließlich männliche Delegierte, und auch in der ausgesprochen umfangreichen Literatur über die Erste Internationale kamen Frauen bislang so gut wie nicht vor[^3]. Daraus lässt sich aber keineswegs schließen, dass Frauen explizit ausgeschlossen gewesen wären, im Gegenteil: »Ladies are admitted[^4]«, betonte Marx kurz nach der Gründungsversammlung im September 1864 in London. Doch offenbar haben die Frauen von diesem Angebot nicht allzu regen Gebrauch gemacht. Weiter lesen „Die Genfer Frauensektion der Ersten Internationale“

Simone Weil – Zum 100. Geburtstag

Quelle: http://antjeschrupp.de/simone-weil

In meinem Podcast steht auch ein Audiomitschnitt von einem Vortrag über Simone Weil.

Simone Weil

Simone Weil ist weitaus weniger bekannt als Hannah Arendt oder Simone de Beauvoir. Soweit ich es mitbekommen habe, sind auch ihre Werke nicht aus Anlass des Jubiläums wieder neu aufgelegt worden. Dabei ist sie eine hoch spannende Denkerin, allerdings auch sehr viel schwieriger zu verstehen, weitaus kontroverser. Es gibt große Meinungsunterschiede zwischen ihr und Beauvoir, aber auch zwischen ihr und Arendt – und da wir ja die beiden schon so toll fanden, wird es spannend sein, diese Kontroversen zu untersuchen, auch um zu fragen, wo wir denn eigentlich stehen. Und gerade für religiöse Frauen ist das Denken von Weil hoch spannend, weil sie sich aus politischem Engagement heraus mit spirituellen Themen beschäftigt hat.

Ich werde es machen, wie beim letzten Mal, anfangen mit einem ersten, biografischen Teil, und dann nach einer Pause noch einmal genauer ihre Ideen anschauen. Weiter lesen „Simone Weil – Zum 100. Geburtstag“

Elisabeth Dmitrieff (1850–1918)

Elisabeth Dmitrieff (1850–1918)

Elisabeth Dmitrieff (auch bekannt unter ihrem Ehenamen Elisabeth Tomanovskaia ) stammte aus einer wohlhabenden russischen Familie – sie war die uneheliche Tochter einer deutschstämmigen Krankenschwester und eines russischen Großgrundbesitzers. Obwohl ihr Vater sie und ihre vier Schwestern und Brüder nicht als eheliche Kinder anerkannte, erklärte er sie doch für erbberechtigt. Ende der sechziger Jahre orientierte sich Dmitrieff zunehmend an der revolutionären Bewegung und trennte sich von ihrem Elternhaus. 1869 ging sie eine Scheinehe ein, die ihr die Ausreise nach Westeuropa ermöglichte.

Quelle: http://antjeschrupp.de/dmitrieff

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André Léo (1824–1900)

André Léo

Die französische Journalistin und Schriftstellerin André Léo war eine der führenden Persönlichkeiten der Pariser Kommune. Die 1871 bereits 46jährige war zu ihrer Zeit eine bekannte Intellektuelle, Mitbegründerin feministischer Gruppen. Sie gehörte zu einer älteren Generation von Revolutionärinnen und Revolutionären, der es vor allem darum ging, das aufbrechende Engagement und den Aktivismus der mehrheitlich jüngeren ›Macher‹ zu beeinflussen und in die ›richtigen‹ Bahnen zu lenken.

Wichtigstes Leitmotiv im Denken von André Léo ist die Überzeugung, daß der Zweck niemals die Mittel heiligt, und ihr Eintreten für die unbedingte Freiheit des Individuums. Sie war bereits eine bekannte Schriftstellerin, als sie Ende der sechziger Jahre Mitglied in der von Benoît Malon geführten IAA-Sektion Paris-Batignolles wurde, und ihre Ansichten über die Internationale waren in Frankreich bis zu einem gewissen Grad auch meinungsbildend für einen Teil der linksliberalen Öffentlichkeit. Als eine der profiliertesten Unterstützerinnen der Pariser Kommune mußte sie im Sommer 1871 ins Exil gehen und initiierte später von der Schweiz aus den Protest der ›antiautoritären‹ IAA-Sektionen gegen den Führungsstil des Londoner Generalrats.

Quelle: http://antjeschrupp.de/leo

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Margarethe Faas-Hardegger (1882-1963)

Quelle: Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung Zürich, Zentralbibliotheke Zürich

Sie sei ein Mensch, „der in allen Richtungen zu Hause sein möchte“, schrieb ein Zeitgenosse über die Schweizer Gewerkschafterin, Anarchistin und Freidenkerin Margarethe Hardegger (1882-1963). Er meinte das abfällig, denn es ist ja nicht gut, wenn man im politischen Geschäft so wankelmütig ist. So sind sie eben (liest man zwischen den Zeilen), die Frauen. Sie widersprechen sich ständig selbst und verheddern sich in einem Netz von Beziehungen, familiären Verpflichtungen und Ansprüchen von Freunden und Fremden, anstatt sich an den Schreibtisch zu setzen und die eigenen Ansichten mal ordentlich zu Papier zu bringen.

Ein Text von Antje Schrupp. Quelle: http://www.antjeschrupp.de

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„Boxcar“ Bertha Thompson, Eisenbahntramp

Ihr Name ist in keinem Geschichtsbuch zu finden, sie hat keine Reichtümer erworben und keinen Ruhm. Bertha Thompson war eine Landstreicherin, eine Frau aus der ansonsten anonymen Masse von Hunderttausenden, die sich im Amerika am Anfang des 19. Jahrhunderts durchs Leben schlugen. Auf der Suche nach Arbeit und aus Neugier auf die Welt reiste sie 15 Jahre lang als blinde Passagierin auf Güterzügen kreuz und quer durchs Land. Nur aus Zufall ist ihre Lebensgeschichte überliefert. Antje Schrupp über eine Frau, die das Leben von allen Seiten kennen lernen wollte und immer an die Stärke der Frauen glaubte.

Virginie Barbet (Lebensdaten unbekannt)

Virginie Barbet – es gibt von ihr leider kein Foto – war in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine bekannte Sozialistin und Feministin in Lyon und ein führendes Mitglied der dortigen Sektion der Ersten Internationale. Biografisch ist von ihr nicht viel bekannt, sie stammte vermutlich aus Le Creuzot und betrieb in Lyon eine Gaststätte oder einen Weinhandel.
Ein Text von Antje Schrupp. Quelle: http://www.antjeschrupp.de

Marietta aka Etta Federn (* 28. 1883- † 1951)

Etta FedernEtta Federn wurde am 28. April 1883 in Wien als jüngste Tochter einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Sie war die Tochter der Suffragette Ernestine Federn und des Arztes Salomon Federn und die Schwester von Paul, der Analytiker wurde, Karl, der Anwalt und Schriftsteller wurde, und Walter, der Journalist.

Sie hatte eine Ausbildung auf Augenhöhe mit ihren Brüdern. Sie studierte Literaturgeschichte, deutsche und griechische Literatur. Nach ihrem Abschluss begann sie, Deutsch und Philosophie zu studieren. Darüber hinaus erhielt sie eine breite Ausbildung in Fremdsprachen.

Sie trennte sich von ihrer Familie und zog nach Berlin, wo sie ihr Studium mit einer Arbeit über Faust abschloss. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt dort zunächst als Lehrerin und dann als Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen, Dänischen, Russischen und Jiddischen. Sie übersetzte Alexandra Kollontai, Hans Christian Anderson und Shakespeare.

Sie arbeitete als Literaturkritikerin für das Berliner Tageblatt. Sie veröffentlichte viele Biografien, darunter die von Dante und Goethe. Gleichzeitig begann sie, Essays, Biografien, Autobiografien, Geschichten, ein Theaterstück und Gedichte zu schreiben. Sie heiratete zweimal, beide Ehen endeten in einer Trennung.

Sie nahm Kontakt mit der anarchistischen Bewegung in Berlin auf und begann, sich an den Aktivitäten der FAUD (Freie Arbeiter Union Deutschlands) zu beteiligen, die regelmäßig Artikel für ihre Presse verfasste. Sie begann, viele Freunde in dieser Bewegung zu finden.

Die anarchistische Bewegung in Berlin zog in Ettas eigenen Worten viele „selbstmotivierte jüdische Frauen an, die ihre intellektuelle, emotionale und politische Unterstützung für die Ideen der sozialen Revolution, der freien Bildung, der Bedeutung der Kulturarbeit, der Frauenemanzipation und der Bedeutung von Solidarität und Solidarität anboten verantwortungsbewusstes Verhalten “.

Sie lernte unter anderem Emma Goldman, Mollie Steimer und Sonia Flechin kennen. Insbesondere mit Rudolf Rocker und Milly Witkop pflegte sie ein Leben lang eine enge Freundschaft. Sie beteiligte sich aktiv an der von der FAUD gegründeten Frauenorganisation des Syndikalistischen Frauenbundes (SFB).

Sie erhielt Morddrohungen von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer 1927 veröffentlichten Biographie des von rechten Offizieren ermordeten liberalen Politikers Walter Rathenau. Außerdem übten die Reaktionskräfte Druck auf die Zeitungen und Verlage aus, für die sie normalerweise schrieb , so dass ihre Einnahmequellen versiegten.

Sie verließ Deutschland 1932 mit ihren beiden Söhnen im Alter von 49 Jahren nach Barcelona. 1933 wurden ihre Bücher bei den öffentlichen Nazibuchverbrennungen zerstört und sie wurde auf die schwarze Liste der Nazis gesetzt.

In Barcelona wurde sie weiterhin von den noch in Berlin lebenden anarchistischen Kreisen unterstützt und konnte die später nach Berlin flüchtenden wieder aufnehmen. Sie konnte sich schnell an Barcelona gewöhnen, schrieb innerhalb weniger Wochen Artikel für die spanische Presse und begann Katalanisch zu lernen. Sie blieb jedoch finanziell angeschlagen und musste sich auf kleine, aber regelmäßige Geldtransfers von ihren nahen Verwandten in den USA verlassen.

Während der spanischen Revolution schloss sie sich im Juli 1936 der anarchistischen Frauenbewegung Mujeres Libres (Freie Frauen) an. Sie unterrichtete Literatur, Sprache und Bildung im Kulturzentrum, das von Mujeres Libres, dem Haus der Arbeiterinnen, gegründet wurde Lehren des spanischen libertären Pädagogen Francisco Ferrer.

Später, im Jahr 1937, gründete sie in Zusammenarbeit mit Mujeres Libres vier libertäre Schulen in der katalanischen Stadt Blanes. Diese Schulen, deren Direktorin sie war, bildeten Lehrer aus und unterrichteten Kinder. Sie waren koedukativ und orientierten sich am Atheismus und Antimilitarismus. Sie sollten eine angstfreie, anregende und fürsorgliche Atmosphäre für Kinder schaffen.

Im Mai 1937 kehrte sie nach Barcelona zurück und ließ ihr Buch Mujeres de las Revoluciones, das biografische Skizzen von zwölf berühmten Frauen enthielt, bei Mujeres Libres veröffentlichen.

1938 reiste sie wegen der massiven Bombenangriffe auf Barcelona mit ihren beiden Söhnen nach Paris.

Zwischen 1940 und 1945 zog sie nach Lyon. Sie war inzwischen körperlich völlig erschöpft und manchmal schwer krank. Trotzdem engagierte sie sich in der Widerstandsarbeit durch Übersetzungen, Propagandaarbeit und Organisation.

Ihr ältester Sohn Hans starb 1944 bei den Kämpfen bei Vercors. Paradoxerweise hatte sie deshalb Anspruch auf die französische Staatsangehörigkeit und eine kleine monatliche Rente, obwohl sie bis zu ihrem Tod in Paris am 9. Mai 1951 in Armut blieb.

Sie spielt als literarische Persönlichkeit in einem Roman des schwedischen Anarchisten Stig Dagerman (der die deutsche Anarchistin Annemarie Goetze geheiratet hatte), Skuggen av Mart (Stockholm 1947) und in Utan Vaiaktig stad (Stockholm 1948) den Roman eines anderen schwedischen Schriftstellers, Arne Fosberg.

Nick Heath

Quellen: https://libcom.org

Anna Götze (* 06. April 1875 – † 18. Juli 1958)

Anna Götze wurde am 6. April 1875 geboren. Sie war von 1897 bis 1917 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und mit Kriegsende und Revolution eine der Gründerinnen des Spartakusbundes. Anfang der 1920er Jahre wechselte sie zu einer klaren anarchistischen Position und trat der FAUD bei. Sie arbeitete als Ordner in der Druckindustrie.

Sie hatte drei uneheliche Kinder. Ihr Sohn Ferdinand Götze, bekannt als Nante, und ihre Tochter Irma waren ebenfalls in der FAUD aktiv, während ihr anderer Sohn Waldemar in der KPD (der offiziellen deutschen Kommunistischen Partei) militant war. Dies führte zu heftigen Auseinandersetzungen in der Familie, obwohl Waldemar später bereit war, mit dem Rest der Familie bei Untergrundarbeiten zusammenzuarbeiten.

Anna hatte eine emanzipierte Einstellung zur Sexualität. Der Anarchist Karl Brauner sollte bezeugen, wie beeindruckt er von der Art und Weise war, wie Anna mit ihrer Tochter über sexuelle Angelegenheiten sprechen konnte.

Nach dem Aufstieg Hitlers war Anna in den unterirdischen FAUD-Netzwerken aktiv. Ihre Wohnung in Leipzig war eines der Zentren dieser Netzwerke.

Sie wurde zum ersten Mal 1935 und am 1. Oktober 1937 erneut verhaftet. Am 12. April 1938 wurde sie zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie im Waldheimer Gefängnis verbüßte. Sie wurde im KZ Ravensbrück inhaftiert, wo auch ihre Tochter Irma inhaftiert war. Beide konnten von dort fliehen, als die Nazis im April 1945 mit dem Todesmarsch der Häftlinge begannen.

Ihr Sohn Waldemar konnte in die Sowjetunion fliehen und wurde dort höchstwahrscheinlich von den Stalinisten ermordet.

Nach dem Krieg traten Anna und ihre Tochter Irma der SED bei, ebenso wie viele andere überlebende Leipziger FAUD-Mitglieder wie Karl Brauner, Richard Theide und Paul Helberg.

Sie starb am 18. Juli 1958.

Quelle: https://libcom.org/ (aufgerufen 09.12.2019)

PS:
Annemarie Götze, das Enkelkind von Anna Götze, heiratete schließlich Stig Dagerman, den wahrscheinlich bekanntesten anarchosyndikalistischen proletarischen Schriftsteller Schwedens.

Ihre Mutter war eines von drei Kindern von Anna Götze; da waren Ferdinand und Irma, beide Anarchisten, und der jüngere Bruder Waldemar, der sich den Kommunisten anschloss. Ferdinand lernte seine zukünftige Frau Elly in der deutschen libertären Jugendbewegung kennen. Als ihre Tochter Annemarie 1924 geboren wurde, lebte die ganze Familie in Annas Haus, und obwohl politische Meinungsverschiedenheiten oft zu heftigen Diskussionen führten, hielt die unmittelbare Gefahr des Aufstiegs der Nazis zur Macht die Familie zusammen.

Nach der Machtübernahme Hitlers floh die Familie nach Spanien – 1934 ließ sich Elly Götze in Barcelona nieder und überließ Annemarie ihren Großeltern, bis sie 1935 zu ihr stieß. In Barcelona engagierte sich die Familie im DAS – den Deutschen Anarcho-Syndikalisten im Ausland – und als Annemarie 2012 interviewt wurde, erinnerte sie sich noch daran, wie sie zusammen mit Emma Goldman die Beerdigung von Durruti miterlebte.

Als Barcelona fiel, gelang es der Familie zu fliehen und sie landete zuerst in Norwegen. Als die Wehrmacht 1940 einfiel, rang sie nach der schwedischen Grenze. Nachdem der Bus, in dem sie saßen, von Nazis beschossen worden war, gelang es nur der jungen Annemarie, die Grenze zu überqueren. Es gelang ihr, Kontakt mit dem SAC aufzunehmen, und dank der Gewerkschaft wurden ihre Eltern schließlich aus den staatlichen Internierungslagern für Flüchtlinge entlassen, die sie nach ihrer endgültigen Überquerung der Grenze einsetzten.

Wie im obigen Artikel erwähnt, war der Rest der Familie im KZ Ravensbrück interniert worden. Ferdinand, Elly und Annemarie blieben in Schweden, wo sie in der syndikalistischen Bewegung sehr aktiv wurden. Ich denke, ich sollte das etwas gründlicher aufschreiben.

Das Interview von Herranz und Lindblom, das zuvor im Mai 2012 in Arbetaren veröffentlicht wurde, enthält viele großartige Informationen – http://anarkism.nu/pa-liv-och-dod-i-katalonien/