Zwei kurze Berichte: - Stolperstein und Sommerfest

Ein Stolperstein für Anton Rosinke

Am Freitag, dem 07.07.2017, wurde in der ….. der Siedlung „Freiheit“, ein Stolperstein für den Anarchosyndikalisten Anton Rosinke ein Stolperstein verlegt. Dieser Stolperstein ist Düsseldorfs erster (!) Stolperstein für einen Anarchosyndikalisten und gleichzeitig ist es der 300. Stolperstein der in Düsseldorf verlegt wurde. Zusammen mit mittlerweile mehr als 60.000 Stolpersteinen die europaweit verlegt wurden, ist auch der Stolperstein für Anton Rosinke Teil eines gigantischen, dezentralen und vergänglichen Kunstwerkes.

Bei der Verlegung des Stolpersteins selbst, waren wir nur eine Handvoll Menschen. Das war den Umständen geschuldet. Zum einen müssen die meisten ja Samstags (Vor-)Mittags durchaus arbeiten, Ämtergänge erledigen sich um Angehörige oder Kindern kümmern oder sonstige reproduktive Arbeit leisten. Zum anderen war die Zeitangabe, um wie viel Uhr der Stolperstein verlegt werden soll, mit 11-14 Uhr auch nicht gerade sehr präzise.

Diejenige die dabei waren hatten aber die Gelegenheit bei einer spontanen Tour durch die Siedlung und den angrenzenden Wald schon etwas über die Biographie Anton Rosinkes zu erfahren. Und das nicht nur aus dem Mund des Mannes der das ganze Projekt überhaupt ins laufen gebracht hat (Danke HB!), sondern auch von Paul Rosinke, dem Urenkel von Anton.

Die Verlegung selbst war unspektakulär (Ein Video und ein paar Fotos laden wir später noch hoch). Bewegend fanden alle jedoch eine zufällige Begegnung mit dem Nachbarn aus Haus Nr.12. Er erinnerte sich noch lebhaft an Anton Rosinke, der sich durch seine Kinderliebe auszeichnete. N.N. schilderte eine typische Situation, wo die Kinder der Siedlung laut auf der Straße spielten und Anton sie vor dem Zorn der Erwachsenen, die sich durch den Lärm gestört sahen in Schutz nahm. 1937 sei Anton dann einfach weg gewesen. Warum? Darüber sprach man in der Familie wohl nicht, war doch der Vater ein strammer Zentrums Mann.

Bei der anschließenden Gedenkveranstaltung für Anton Rosinke auf dem Freiheitsplatz waren dann, neben einigen offiziellen von der SPD und der Mahn und Gedenkstätte gut und gerne 30-35 Personen. Hans Bernd hielt einen kurzen Vortrag über die Anton Rosinke und verband das Leben von Anton mit der Idee der Stolpersteine (dezentrales, sich selbst veränderndes Kunstwerk). Rudolf Mühland von der FAUD ergänzte diesen Beitrag noch um einen kurzen Abriss der Geschichte der FAUD/AS und spannte den Bogen in die Gegenwart.

FAUD Sommerfest

Auf initiative eines Mitglieds unseres Syndikates haben wir am Samstag, den 08.07.2017 unser erstes Sommerfest in unserem Ladenlokal/Büro, dem V6 gefeiert!

Alle die an diesem Abend gefehlt haben, haben wirklich etwas verpasst. Neben einem tollen Buffet (Fotos und evtl Videos werden wir später noch hochladen) und einem DJ aus Portugal möchte ich besonders den Live-Musik-Act erwähnen. Zwei Leute, ein Kontrabass, eine Stimme und schon hat man alles was man für „gregorianischen Punk“ und Barock Kneipenlieder über Sex, Drugs und Rock’n’Roll braucht.

Darüber hinaus hatten die Menschen einen Riesenspaß am „Fotocoll!“. Falsche Bärte, Kussmünder, Fliegen und Zylinder sind leicht zu bastelnde Requisiten und wurden viel genutzt.

 


Dokumentiert:

20. Juli 2017 | 00.00 Uhr

Vennhausen

Der frühe Tod des Anton Rosinke
Vennhausen. Der Schmied war eine schillernde Figur im Widerstand gegen die NS-Diktatur. Seine Heimat: die Siedlung Freiheit in Vennhausen. Von Marc Ingel

Was bleibt ist die Erinnerung, und die ist positiv. Es ist nicht immer das große Ganze, sondern es sind oft die Kleinigkeiten, die eine Rolle spielen. Wie jetzt bei der Verlegung eines Stolpersteins für Anton Rosinke vor seinem alten Wohnhaus an der Friedrich-Engels-Straße 14. Dabei kam der Nachbar aus Nummer 12 heraus und erzählte lebhaft, wie kinderlieb Rosinke gewesen sei. Er schilderte eine typische Situation: „Die Kinder der Siedlung Freiheit spielten laut auf der Straße, und Anton nahm sie vor dem Zorn der Erwachsenen, die sich durch den Lärm gestört fühlten, in Schutz.“ So etwas vergisst man nicht.

Anton Rosinke wurde am 14. Februar 1937 in der Gestapohaft am Jürgensplatz, vier Wochen nach seiner Festnahme, totgeschlagen. Er und sein Schwiegersohn, Ernst Binder, waren Anarcho-Syndikalisten. Das hat nur bedingt etwas mit dem heutigen Verständnis eines Anarchisten zu tun. „Es war eine lebendige politisch-soziale Kultur mit zahlreichen Organisationen, die mit dem sozialdemokratischen oder kommunistischen Milieu durchaus vergleichbar waren“, wird diese Einstellung in einem DGB-Stadtführer zu Verfolgung und Widerstand während der NS-Diktatur durchaus zutreffend beschrieben.

Jedenfalls: Rosinke und Binder leisteten von 1933 bis Anfang 1937 in einem Netz von Gleichgesinnten den riskanten Widerstand im Untergrund. Sie druckten illegale Schriften, schleusten Flüchtlinge und (ab 1936) auch Freiwillige für den spanischen Bürgerkrieg ins Ausland. Ernst Binder schilderte 1946 rückblickend die Gefahr anschaulich: „Bei der nächsten Hausdurchsuchung rebellierte Anton. Man nahm ihn kurzerhand mit, und nun erlebte er acht Tage auf dem Präsidium, die er bei seiner Rückkehr mit folgenden Worten beschrieb: ,Wenn die mich noch einmal holen, lassen sie mich lebendig nicht mehr heraus.'“ Er sollte recht behalten.

Anton Rosinke wurde am 18. Dezember 1881 in Rheda nordwestlich von Danzig geboren. Sein Vater war Fischer, er selbst Schmied. Als Wanderabeiter kam er mit seinem jüngeren Bruder Johann nach Düsseldorf, sein erster Wohnsitz war ab 1904 die Bertastraße. Bis zu dem Umzug in die Siedlung Freiheit 1922 war er in wechselnden Funktionen als Fabrikarbeiter tätig. Zunächst zog er aber nach Gerresheim, heiratete Martha Abraham, bis 1912 wurden vier Kinder geboren.

Noch während des Kaiserreichs wurde Anton Rosinke zu einem Anarchisten. Er widmete seine Freizeit der Propaganda und war unter Beobachtung der politischen Polizei. Der Arbeitersängerverein „Freie Sänger 04“ war dabei einerseits Mittel der Propaganda und Teil der politischen Gruppenbildung, andererseits aber auch Indiz für die Musikliebe von Anton Rosinke und seiner Genossen. Wegen seiner Tätigkeiten wurde er verhaftet, wieder entlassen, zum Militär eingezogen. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich Rosinke der Rote Ruhrarmee an und beteiligte sich am Ruhraufstand. Er setzte sich jedoch ebenso für Musiker und eine weltliche Schule ein. Doch es waren seine politischen Tätigkeiten, die ihn letztlich das Leben kosten sollten. Anton Rosinke habe immer wieder aus den kleinsten Anlässen die Hoffnung anzufachen gewusst, so Ernst Binder, „und er hat uns das baldige Ende der Nazis stets zur Gewissheit gemacht. Ein einfacher Schmied, aber ein sauberer Mensch, der die Flamme der innerlichen Überzeugung über sich selbst hinaushob“, schreibt Binder.

Hans Bernd Ashauer-Jerzimbeck hat sich intensiv mit dem Menschen Anton Rosinke beschäftigt, er ist Initiator der Stolperstein-Verlegung. „Das Konzept der Stolpersteine als großes, dezentrales Denkmal hätte Anton Rosinke sicher gefallen, denn Dezentralität und Föderalität waren wichtige Kategorien in seiner politischen Weltanschauung“, sagt Ashauer-Jerzimbeck, der gegenüber dem Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte die Bereitschaft erklärte, eine Patenschaft für den Stolperstein einzugehen. „Die hohe Akzeptanz über seine politische Gruppe hinaus macht Rosinke auf jeden Fall zu einem Teil der Geschichte der Siedlung Freiheit“, nennt Ashauer-Jerzimbeck einen wichtigen Grund für sein Engagement.

[ssba]